Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Fußpilz
Fußmykosen als Volkskrankheit
Um Fußmykosen, im Volksmund auch Fußpilz genannt, ranken sich zahlreiche Mythen. Laut einer breit angelegten Endverbraucherbefragung schämt sich jeder Zweite der Erkrankung. Etwa 86 Prozent der Befragten brachten die Erkrankung mit mangelnder Hygiene in Verbindung, obwohl sie in den seltensten Fällen etwas mit mangelnder Hygiene zu tun hat.
Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland ist davonbetroffen! Ausgelöst wird die Erkrankung durch Fadenpilze, so genannte Dermatophyten, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind.
Fußmykosen gehören zu den am weitesten verbreiteten Infektionskrankheiten des Menschen. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland etwa jeder dritte Erwachsene von einer Fußmykose betroffen ist. Damit hat die Erkrankung den Verbreitungsgrad einer Volkskrankheit erreicht.
Ausgelöst wird die Erkrankung, die in der Fachsprache Tinea pedis heißt, durch Fadenpilze, so genannte Dermatophyten.
Der häufigste Erreger ist Trichophyton (T.) rubrum, gefolgt von T. interdigitale bzw. T. mentagrophytes und Microsporum canis.
Als Hauptursache für die weite Verbreitung wird das heutige Freizeitverhalten mit häufigen Sauna-, Schwimmbad- und Fitnessclubbesuchen angesehen.
Vor allem ältere Menschen, die nicht mehr so agil sind und in Folge dessen auch nicht mehr so gut an ihre Füße heranreichen, sind oft von Fußmykosen betroffen. Risikofaktoren sind zudem ein geschwächtes Immunsystem, periphere Neuropathien, Diabetes mellitus und Durchblutungsstörungen.
Auch gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer trifft es häufiger als Frauen.
Fußpilz ist zwar keine lebensbedrohliche Erkrankung, sollte aber dennoch ernst genommen und mit geeigneten Mitteln behandelt werden. Brennen und Juckreiz zwischen den Zehen sind meist die ersten Anzeichen einer Fußpilzerkrankung, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten.
Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig mit geeigneten Mitteln behandelt, kann sie sich auf den gesamten Vorfuß und ebenso auf andere Körperstellen ausbreiten. Wird auch das Nagelgewebe befallen, kommt es zu Nagelpilz, auch Onychomykose genannt. Dies sollte schon allein deshalb vermieden werden, weil die Behandlung von Nagelpilz immer schwierig und zeitaufwendig ist.
Fußpilzinfektionen machen es auch anderen Krankheitserregern leichter, die Haut zu befallen und über die Haut in die Blutbahn einzudringen. So ist heute bekannt, dass die Wundrose (Erysipel), eine durch Streptokokken ausgelöste, meistens an den Unterschenkeln auftretende und mit starken Beeinträchtigungen einhergehende Hautkrankheit, durch Fuß- und Nagelpilz gefördert wird.
Ansteckungsgefahr für Fußpilz besteht zum Beispiel in Bade- und Saunabereichen. Da die Fußpilzerreger über den Boden aufgenommen werden, sollte dort möglichst nicht barfuß gelaufen werden.
Wichtig für die Vorbeugung von Fußpilz ist das Tragen von geeignetem Schuhwerk. Bereits bei der Schuhwahl sollten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden:
Zu enge oder schlecht sitzende Schuhe sollten möglichst gemieden werden, weil das Quetschen der Füße zu kleinen Verletzungen, so genannten Mikrotraumen, führen kann, die das Risiko für Fußpilzinfektionen erhöhen.
Wie wird Fußpilz übertragen?
Die Gefahr einer Fußpilzinfektion besteht überall dort, wo Menschen barfuß laufen, zum Beispiel im Schwimmbad, in der Sauna, aber auch in Umkleidekabinen, Hotelzimmern und sogar im Sand.
Die Übertragung erfolgt durch mit Pilzsporen behaftete Hautschuppen, die über den Boden aufgenommen werden. Die verursachenden Dermatophyten sind äußerst widerstandsfähig. Untersuchungen haben gezeigt, dass T. rubrum und T. mentagrophytes selbst bei Trockenheit und außerhalb von Lebewesen viele Monate überlebensfähig sind.
In Schuhen, Stiefeln und Teppichen sind oft noch Monate nach dem Ausbringen der Erreger Pilzsporen nachweisbar. Ein in Berührung kommen mit den Erregern muss jedoch nicht zwangsläufig zu einer Infektion führen. Das Ansteckungsrisiko hängt von verschiedenen begünstigenden Faktoren ab.
Leichtes Spiel haben die Erreger insbesondere dann, wenn die Haut durch Wärme und Feuchtigkeit aufgequollen ist. Dazu kommt es vor allem durch das Tragen von luftdichtem Schuhwerk und den dadurch entstehenden übermäßigen Fußschweiß.
Erhöhte Ansteckungsgefahr besteht auch dann, wenn die Haut durch zu häufiges Waschen, insbesondere mit aggressiven Hautreinigungsmitteln, oder wegen fehlender oder unzureichender Fußpflege rau und rissig geworden ist. Dieser Hautzustand geht mit einer Störung der natürlichen Hautbarriere und einer Verschiebung des pH-Werts der Hautoberfläche einher. Dadurch wird es den Dermatophyten erleichtert, sich in der Haut einzunisten.
Zum Schutz vor Fußpilz sollte bequemes Schuhwerk getragen werden. Schuhe,die durch Fußschweiß von innen feucht geworden sind, sollten nach dem Ausziehen gut gelüftet werden.
Erscheinungsformen von Fußpilz
Fußpilz kann in verschiedenen Erscheinungsformen auftreten, drei verschiedene klinische Typen werden unterschieden:
1. Interdigitaler bzw. intertriginös-mazerativer Typ
Diese am häufigsten auftretende Form beginnt meist im Raum zwischen der vierten und fünften Zehe. Die obersten Hautschichten wirken weißlich gequollen, hinzu kommen Rötungen, die auch auf die Zehenseitenkanten und den Fußrücken übergreifen können. Die betroffenen Hautpartien nässen und reißen leicht ein, manchmal entstehen auch Bläschen. Unter luftabschließenden (okklusiven) Bedingungen beispielsweise beim Tragen von luftdichtem Schuhwerk kann quälender Juckreiz entstehen.
Oft fehlt der Juckreiz jedoch. Außerdem können Wärme und Feuchtigkeit beim Tragen von solchem Schuhwerk nicht ausreichend entweichen. Bei Trägerinnen modisch enger High Heels ist davon vor allem der Zwischenzehenraum betroffen, wo Fußpilz bevorzugt auftritt. Doch auch Gummistiefel und Turnschuhe aus wenig luftdurchlässigem Material können im Schuhinneren zu einem Wärme- und Feuchtigkeitsstau führen.
An Hornhaut und Einrissen haftende Erreger haben es unter diesen Bedingungen besonders leicht: Sie dringen in die oberen Hautschichten ein und finden im feucht-warmen Milieu optimale Wachstumsbedingungen vor. Dass (falsches) Schuhwerk für Fußpilzinfektionen förderlich ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Erkrankung bei barfuß laufenden Naturvölkern nahezu nicht vorkommt.
2. Squamös-hyperkeratotischer Typ
Bei dieser seltener auftretenden Form der Tinea pedis sprechen Mediziner auch von einer so genannten Mokassin- Mykose, weil sich die Infektion hier von den Fußsohlen ausgehend langsam über die Fußkanten hinaus ausdehnt.
Im Gegensatz zum interdigitalen Typ ist die Haut hier zu Beginn leicht entzündet, kennzeichnend ist eine trockene, feine Hautschuppung. Im weiteren Verlauf kommt es vor allem an stark belasteten Stellen wie den Fersen zu übermäßiger Verhornung und schmerzhaften Einrissen.
Vor allem die für Fußmykosen besonders anfälligen Diabetiker interpretieren diesen Typ der Tinea pedis oftmals fälschlicherweise als trockene Haut.
3. Vesikulös-dyshidrotischer Typ
Charakteristisch für diese Form sind kleine gruppierte Bläschen, die im Bereich des Fußgewölbes und der Fußkanten sprießen. Da die Haut in diesen Bereichen sehr dick ist, platzen die Blasen nicht auf, sondern trocknen ein. Betroffene dieses Typs klagen meist über Juckreiz und Spannungsgefühl.
Diagnostik von Fußmykosen
Die Erkennung von Fußmykosen ist anhand der typischen Symptome wie Rötung, Schuppung und Juckreiz nur begrenzt möglich. Da diese Symptome auch bei anderen am Fuß auftretenden Hauterkrankungen vorkommen, kann der Betroffene darüber keine sichere Einordnung der Erkrankung vornehmen. Dazu ist eine ärztliche Untersuchung notwendig.
Zur Sicherung der Diagnose führt der Experte, im Regelfall ein Hautarzt, neben einer klinischen auch eine laboratoriumsmedizinische Untersuchung durch. Dazu entnimmt er Hautschuppen von der befallenen Stelle und betrachtet diese unter dem Mikroskop. Finden sich dabei fadenförmige Pilzelemente, unterstützt dies den Verdacht auf eine Pilzinfektion. Zur endgültigen Sicherung der Diagnose muss zusätzlich der verursachende Erreger identifiziert werden. Dies geschieht durch das Anlegen einer Pilzkultur, die zwei bis vier Wochen später ausgewertet wird.
Um Fußpilz sicher diagnostizieren zu können, muss der verursachende Erreger z.B. (Trichophyton mentagrophites) identifiziert werden.
Was ist bei Fußpilzverdacht zu tun?
Bei gesicherter Diagnose sollte eine Fußmykose in jedem Fall behandelt werden. Wird eine Selbstmedikation durchgeführt, sollte aus der Vielzahl der dafür angebotenen Arzneimittel ein leicht handzuhabendes Präparat ausgewählt werden, das bei der überwiegenden Zahl der Anwender eine rasche Besserung der Beschwerden erwarten lässt. Welche Präparate diese Voraussetzung erfüllen und wie diese richtig angewendet werden, sollte in der Apotheke erfragt werden.
Führt das benutzte Präparat nicht zu einer Besserung oder gar zu einer Verstärkung der Beschwerden, sollte zur weiteren Abklärung ein Arzt aufgesucht werden, dem die Kompetenz zukommt, die Diagnose durch eine klinische und eine laboratoriumsmedizinische Untersuchung zu sichern.
Zur Behandlung von Fußmykosen sollten ausschließlich Arzneimittel verwendet werden, die für diese Indikation zugelassen sind. Bei dem so häufig vorkommenden interdigitalen Typ wird in der Regel eine örtliche Behandlung vorzusehen sein. Dafür stehen heute zahlreiche hochwirksame Präparate, so genannte topische Antimykotika, zur Verfügung, von denen die meisten nicht oder nicht mehr rezeptpflichtig sind.
Die rezeptfreien Präparate enthalten Wirkstoffe aus den Klassen der Azole (zum Beispiel Clotrimazol, Bifonazol, Miconazol) und der Allylamine (zum Beispiel Terbinafin). Diese Stoffe haben gemeinsam, dass sie die Vermehrung der Pilzzellen unterbinden, indem sie in die Biosynthese von Ergosterol eingreifen. Ergosterol ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Pilzmembran, der in der menschlichen Haut nicht vorkommt.
Unterschiede weisen die erwähnten Wirkstoffe hinsichtlich ihrer Wirkweise und notwendigen Anwendungsdauer auf:
Azole wirken in den therapeutisch verwendeten Konzentrationen in der Regel lediglich fungistatisch, das heißt, sie hemmen zwar die Vermehrung der Erreger, töten diese aber nicht ab. Erst die körpereigene Abwehr im Zusammenspiel mit der stetigen natürlichen Hauterneuerung während der notwendigen drei- bis vierwöchigen Therapiedauer bekämpft den Pilz.
Allylamine wie Terbinafin wirken dagegen schon in relativ niedrigen Konzentrationen fungizid, das heißt sie töten die Dermatophyten ab, indem sie bereits zu einem früheren Zeitpunkt als die Azole in die Biosynthese des Ergosterol eingreifen. Durch Hemmung des Pilzenzyms Squalenepoxidase kommt es in der Pilzzelle zu einer Anhäufung von Squalen, einer Vorstufe von Ergosterol, die für die Erreger toxisch ist und sie abtötet.
Therapietreue ist oft unzureichend
Ein allgemeines Problem bei der örtlichen Behandlung von Fußmykosen ist die oft unzureichende Therapietreue (Compliance) der Anwender. Umfragen haben gezeigt, dass viele die vorgeschriebene Anwendungszeit der verwendeten Mittel nicht einhalten, sondern die Behandlung vorzeitig beenden, sobald die subjektiven Symptome, wie Rötung, Brennen und Juckreiz, nachgelassen haben. Da die Erreger jedoch zu diesem Zeitpunkt in vielen Fällen noch nicht vollständig eliminiert sind, kann die Infektion zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufflammen. Ein solches Wiederauftreten der Infektion (Rezidiv) kann dann als erneute Ansteckung (Reinfektion) fehlgedeutet werden.
Das zu frühe Absetzen der verwendeten topischen Antimykotika ist nach Meinung von Experten einer der Hauptgründe dafür, warum in der Fußpilzbehandlung insgesamt relativ häufig Rezidive beobachtet werden.
Im Sinne der Anwenderfreundlichkeit geht der Trend deshalb heute hin zu Präparaten, die nur kurzzeitig und nicht mehr unbedingt über den Zeitpunkt des Abklingens der subjektiven Symptome hinaus angewendet werden müssen.
Präparate dieses Typs sind zum Beispiel diejenigen mit dem Wirkstoff Terbinafin: Da Terbinafin nach dem Auftragen relativ lange in pilzabtötenden Konzentrationen in der Haut verbleibt (Depoteffekt), müssen herkömmliche Zubereitungen dieses Wirkstoffs nur sieben Tage und nicht, wie die Azol-Präparate, drei bis vier Wochen lang angewendet werden.
Um zu verhindern, dass die Infektion einige Zeit nach Ende der Behandlung wieder aufflammt, muss die vorgeschriebene Anwendungszeit des verwendeten Fußpilzmittels unbedingt eingehalten werden.
entnommen aus: Ratgeberbroschüre der GD Gesellschaft für Dermopharmazie e.V., einer fachübergreifenden wissenschaftlichen Vereinigung von Hautärzten, Apothekern und anderen Fachleuten.Fußmykosen, im Volksmund auch Fußpilz
Herausgeber: GD Gesellschaft für Dermopharmazie e.V. Gustav-Heinemann-Ufer 92, D-50968 Köln E-Mail: webmaster@gd-online.de Internet: www.gd-online.de Redaktion (verantwortlich):Dr. Joachim Kresken,Verlag und Copyright:ID-Institute for Dermopharmacy GmbH